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Potamopyrgus a.

Potamopyrgus antipodarum GRAY 1843
(Mollusca, Gastropoda, Hydrobiidae)

Deutscher Name:
Neuseeländische Deckelschnecke,
Neuseeland-Zwergdeckelschnecke

Herkunft:
Neuseeland

Heutige Verbreitung:
West-, Mittel-, Südeuropa (z.T. Nord-, Osteuropa), Mittel-, Nordamerika; Australien

Verbreitungsmechanismen:
Schiffe, Vögel, Fische (?)

Ökologie:
Weidegänger, euryök, salztolerant

Erstnachweise / Erstbeschreibungen:
Oberrhein: Taubergießen, 1961, Schmid 1969
Hochrhein: vor 1983, Koster & Winkler 1985
Aare: Nidau, 1988, Marrer 1988
Bodensee: Untersee, 1972, Turner et al 1998

Potamopyrgus antipodarum, die Neuseeland-Zwergdeckelschnecke, wurde bereits um 1839 nach Europa eingeschleppt (Jaeckel 1962). Potamopyrgus verbreitete sich zunächst in England, war aber bereits 1887 auch an der Ostseeküste bei Wismar zu finden (Boettger 1951). In den folgenden Jahrzehnten trat diese Art zusehends häufiger im europäischen Küstenbereich und später dann auch in den Binnengewässern auf. Heute ist sie im ganzen westlichen und mittleren Europa verbreitet. Einen Überblick über die europäische Besiedlungsgeschichte gibt Boettger (1951), die Besiedlung des Rheineinzugsgebietes schildert Roth (1987).
Potamopyrgus antipodarum ist sehr euryök und ausgesprochen euryhalin, erträgt Temperaturen bis 30°C und Strömungsgeschwindigkeiten bis 0,5 m/s. Potamopyrgus besiedelt allerdings bevorzugt langsam strömende oder stehende Gewässerbereiche, wo er sich in lichtgeschützten Bereichen an stabilen Steinen und Blöcken aber auch Wasserpflanzen aufhält. Als Weidegänger ernährt sich Potamopyrgus antipodarum vorwiegend von Grünalgen und Detritus. Seine augeprägte Chemorezeption kann sowohl zur Nahrungssuche als auch zur Feindvermeidung eingesetzt werden, was Potamopyrgus gegenüber einheimischen Arten einen Konkurrenzvorteil verschafft (nach Roth 1987).
Potamopyrgus antipodarum pflanzt sich bei uns vorwiegend parthenogenetisch fort, Männchen werden nur sehr selten gefunden. Die vivipare Art hat bei uns eine (Juni-November) bis zwei (Juni, September) Fortpflanzungsperioden. Als Prosobranchier (mit Operculum) kann Potamopyrgus auch längere Luftpassagen überstehen, so dass eine Verbreitung durch Vögel gut vorstellbar ist, ein Verbreitungsmodus, auf den auch die Besiedlungsgeschichte der Art hindeutet (Boettger 1951). Darüber hinaus ist eine Verschleppung durch Schiffe möglich.

Im Hochrhein ist Potamopyrgus antipodarum seit spätestens 1983 fast lückenlos verbreitet (Koster & Winkler 1985). Im Rahmen von Benthosuntersuchungen 1972 bei Kaiseraugst (Bloesch 1977) und 1979 bei Bad Säckingen (Caspers 1980) wurde die Art noch nicht gefunden. Das etwas frühere (seit 1972) Erscheinen der Art im Bodensee (Turner et al. 1998, Stojaspal 1975) lässt eine Besiedlung des Hochrheins durch Larven-Drift vermuten. Heute findet man Potamopyrgus vorwiegend in den Staubereichen und an verbauten Ufern des gesamten Hochrheins (Buwal 2002).

© ANEBO, gefördert im Rahmen von Interreg III, Stand: 10.12.2010, Impressum