wechselndes Bildschatten unter bild

Pacifastacus l.

Pacifastacus leniusculus

Deutscher Name:
Signalkrebs

Herkunft:
Nordwestliche Bundesstaaten der USA

Verbreitungsmechanismen:
vor allem Besatz; aktive Wanderung

Ökologie:
Räuber, euryök

Vorkommen im Bodenseegebiet:
Der Signalkrebs wurde bereits in mehreren direkten und indirekten Bodenseezuflüssen nachgewiesen, z.B. der Wolfegger Aach (Kreis Ravensburg) und der Schwarzach (Vorarlberg). In beiden Bächen haben sich Signalkrebse seit mehr als 10 Jahren mit individuenreichen Populationen etabliert.

Ausbreitungsgeschichte:
Ausgehend von Schweden wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einigen Ländern Europas der Signalkrebs eingebürgert (GOLDMANN 1973). 1969 wurden 60.000 Exemplare aus den USA nach Schweden importiert und in 69 Seen ausgesetzt. In den meisten Gewässern entwickelte sich rasch ein starker Bestand. Etwa zur selben Zeit gelang UNESTAM (1969) der Nachweis, daß noch vorhandene Edelkrebsbestände, die mit Signalkrebsen in Berührung kommen, an der Krebspest zugrunde gehen. Nach Österreich wurden im Sommer 1970 ca. 2000 Stück P. leniusculus direkt aus Kalifornien eingeflogen und in Gewässern Salzburgs, der Steiermark, Oberösterreichs und Niederösterreichs ausgesetzt. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Gewässer in ganz Österreich mit Signalkrebsbrut besetzt. Österreichische Fischereiforschungsinstitute propagierten in den 70er Jahren den Besatz von Freigewässern mit Signalkrebsen und waren an einigen Aktionen selbst beteiligt.

Biologie:
Der großwüchsige Signalkrebs kann mit dem Edelkrebs Astacus astacus verwechselt werden, unterscheidet sich von ihm aber durch den weißen bis türkisblauen Fleck am Ansatz des beweglichen Scherenfingers.
Auch hinsichtlich der Ansprüche an die Gewässer ist der Signalkrebs dem Edelkrebs sehr ähnlich. Er besitzt jedoch eine etwas größere Toleranz gegenüber höheren Wassertemperaturen und ist auch am schlammigen Gewässergrund anzutreffen. Pacifastacus leniusculus ist gegenüber Sauerstoffdefiziten empfindlicher als der Edelkrebs (GOLDMANN 1973). Bei Sauerstoffmangel verläßt auch der Signalkrebs das Gewässer, um am Ufer oder auf Steinen sitzend Luft zu atmen (HAGER 1996). In geeigneten Sedimenten kann sich der Signalkrebs ausgedehnte Wohnhöhlen graben, die stellenweise zu gefährlichen Ufererosionen führen (GUAN 1994). Der Signalkrebs ist aggressiver als der Edelkrebs und produziert – mit einer Anzahl im Bereich zwischen 150 und 300 Eiern – mehr Nachkommen als der Edelkrebs. Die Rekordgewichte des Edelkrebses kann er jedoch nicht erreichen, weil er bedeutend kurzlebiger ist (max. 7-10 Jahre). Kurzfristig können heimische Krebsarten im selben Habitat gemeinsam mit dem Signalkrebs gefunden werden. Mittel- bis langfristig kann sich P. leniusculus als alleiniger Bewohner auf Kosten der einheimischen Krebsarten durchsetzen. Im River Wharfe in Yorkshire breitet sich der Signalkrebs mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 1,2 km pro Jahr in Fließrichtung aus. Nach 4-5 Jahren hat er den in Großbritannien heimischen Dohlenkrebs aus den von ihm neu besiedelten Habitaten verdrängt (PEAY & ROGERS 1999).

In diesem Zusammenhang muß dem verbreiteten Glauben, es gäbe krebspestfreie Bestände des Signalkrebses, deutlich widersprochen werden. Von 113 untersuchten Beständen in Schweden waren alle infiziert, gleichgültig, ob sie aus Direktimporten oder der Zuchtanlage Simontorps stammten (SÖDERHÄLL 1999). Da der krebspestübertragende Signalkrebs heute in unseren Gewässern relativ häufig anzutreffen ist, stellt er ein großes Problem bei der Wiederansiedelung von Edel- oder Steinkrebs dar. Er selbst ist teilresistent; das bedeutet, daß bei Zweitinfektionen mit anderen Krankheiten auch Totalausfälle durch Aphanomyces astaci möglich sind.

Quelle:
PECKNY R & PÖCKL M (2000) : Flußkrebse und Süßwassergarnelen (Decapoda, Mysidacea) – 1. Fassung 1999. in: Listen ausgewählter Tiergruppen Niederösterreichs.- Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten 80 S.: S. 56-58

© ANEBO, gefördert im Rahmen von Interreg III, Stand: 10.12.2010, Impressum