wechselndes Bildschatten unter bild

Neozoen

Ausgangslage

Durch die erhöhte Mobilität, die Öffnung von Schifffahrtswegen über zoogeografische Grenzen hinaus und durch den zunehmenden interkontinentalen Warenverkehr kommt es zu einer verstärkten Einschleppung und be­schleunigten Ausbreitung aquatischer Neozoen (wasserlebender, nicht heimischer Tierarten). Einige dieser Neo­zoen zeigen eine invasorische Ausbrei­tungs­tendenz und sind – bedingt durch hohe Fortpflanzungsraten und aggressives Fraß- und Raum­nut­zungs­verhalten – für gravierende Verän­de­run­gen in den Biozönosen von Seen und Fließge­wässern ver­ant­­wort­lich (Kinzelbach 1995, Tittizer 1996, Gebhard et al. 1996, Schöll 2002, Rey & Ortlepp, 2004). In einigen Fäl­len können sie auch ökonomische Schäden verursachen (Sakai et al., 2001). Für einen Teil dieser Arten trifft dies auch für den Bodensee und sein Einzugsgebiet zu.

Neozoen im Bodensee

Das erste invasorische Neozoon im Bodensee war Mitte der 1960er Jahre die Dreikantmuschel Dreissena polymorpha. Schon weniger als 10 Jahre nach ihrer Einschleppung hatte sie so hohe Populationsdichten erreicht, dass sie z.T.- Ausleitungs- und Wasseransaugrohre verstopften, deren Reinigung hohe Kos­ten verursachte. Außerdem könnte D. polymorpha für den Rückgang der Großmuscheln ver­ant­wort­lich sein. Der sich seit Ende der 1980er Jahre im See rasch vermehrende Kaulbarsch zeigte sich als potenzieller Nahrungskonkur­rent des heimischen Flussbarsches.

Über die Auswirkungen anderer Neozoen im Bodensee (z.B. Großkrebse, andere Wirbellose und Fische) ist dagegen so gut wie nichts bekannt, zu­mal in der Vergangenheit oft versäumt wurde, die Ausbreitung neozoischer Arten im See zu verfol­gen.

2003 wurden im Flachwas­serbereich des Bodensees der Große Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus und die grobge­rippte Körbchenmuschel Corbicula fluminea gefunden. Mit dem Erscheinen dieser invaso­rischen Arten bekommt das Thema „Neozoen im Bodensee“ wieder eine neue Dimension und rückt in den Vordergrund des Gewässer- und Artenschutzes. Zumindest der Große Höckerflohkrebs breitet sich derzeit rapide aus, verdrängt dabei andere Kleinlebewesen und nimmt im Nahrungsnetz nach Angaben einiger Autoren den Stellenwert von Fischen ein. Beide Arten zeigen lokal schon Besiedlungsdichten bis weit über 1000 Indi­viduen pro Quadratmeter.
Schon seit Längerem wird auch eine weitere Ausbreitung von Kamber­krebs und Signalkrebs im Bo­densee befürchtet. Beide Arten leben räuberisch und können die Krebspest verbreiten.

Detailinformationen finden Sie unter dem Menü-Eintrag der jeweiligen Art.

© ANEBO, gefördert im Rahmen von Interreg III, Stand: 10.12.2010, Impressum