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Schnelle Ausbreitung der Quagga-Muschel im Bodensee

Wie bereits berichtet, erfolgte der Erstnachweis der Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis) für den Bodensee im Mai 2016 durch Taucher in Wallhausen in ca. 25 m Wassertiefe (Patrick Steinmann, AWEL). Der folgende Artikel fasst die schnelle Ausbreitung der invasiven Art im Bodensee zusammen.

Kurz nach dem Erstnachweis erfolgte eine Nachsuche mit Tauchern und ergab zusätzlich vereinzelte Tiere am benachbarten Klausenhorn (HYDRA). Dabei wurden auch mehrjährige Tiere gefunden. Parallel tauchten im Nordteil des Obersees mehrjährige Einzeltiere in Tiefen unterhalb von 5 m auf (ISF). Der Ersteintrag in den Bodensee erfolgte damit bereits vor 2016 und eventuell nicht nur an einer Stelle. In der ufernahen Flachwasserzone ergab die Suche an 50 Standorten rings um den See zu diesem Zeitpunkt keine Vorkommen (HYDRA). Damals wurde eine unauffällige Entwicklung im Bodensee erhofft.

Kurz nach diesen Erstfunden nahm die Ausbreitung allerdings sehr schnell zu. Im Herbst 2016 tauchte die Quagga-Muschel im Bereich der bereits bekannten Gebiete auch in der ufernahen Flachwasserzone auf (Abb. oben), ein Jahr später – also im Herbst 2017 – war bereits fast das gesamte Ufer besiedelt (Abb. mitte). Seitdem gab es nur noch Lückenschlüsse und eine Erhöhung der Dichten im Flachwasserbereich (Abb. unten). An den meisten Uferbereichen hat die Quagga-Muschel die schon länger etablierte Dreikantmuschel weitestgehend verdrängt. In nennenswerten Mengen kommt letztere aktuell nur noch um die Halbinsel Reichenau und in einzelnen Bereichen des Schweizer Ufers vor (HYDRA).




Ausbreitung der Quagga-Muschel am Bodensee 2016–2019 (jeweils Herbst) (Copyright HYDRA) (zum Vergrößern anklicken)

In größeren Tiefen breitet sich die Quagga-Muschel erfolgreich in Bereiche aus, die bisher nicht von der Dreikantmuschel besiedelt waren. Im Gegensatz zur Dreikantmuschel kann sie unter anderem besser auf Weichsubstrat siedeln und auch bei dauerhaft niedrigeren Temperaturen wachsen und reproduzieren. Die Fähigkeit zur Besiedlung von Weichsubstraten sowie die ganzjährige Reproduktion verschaffen der Quaggamuschel deutliche Vorteile gegenüber der Dreikantmuschel. Beide Arten pflanzen sich über freischwimmende Larven (Veliger) fort. Die Dreikantmuschel setzt allerdings immer nur kurz im Jahr Larven frei – die Quagga-Muschel macht dies das ganze Jahr über. Dies zeigt sich im Bodensee bereits seit dem Winter 2016/2017.


Dichten der freischwimmenden Larven (Veliger) der Gattung Dreissena im Bodensee 2010–2018 (Daten und Copyrhight LUBW)

Die Dreikantmuschel kam vor allem bis in Tiefen von ca. 25 m häufig und tiefer als 40 m höchstens als Einzeltier vor. Weichsubstrate sind für sie nur besiedelbar, wenn dazwischen feste Substrate zum Anheften vorhanden sind. Auf Hartsubstrat siedelt die Quagga-Muschel im Bodensee in höheren Dichten bis in Tiefen deutlich über 40 m. Auf Weichsubstrat liegen Nachweise bis in Tiefen von 250 m vor (ISF). Die Dichten auf Weichsubstrat in Tiefen größer als 30 m sind aktuell noch sehr gering. Da es sich dabei größtenteils um noch wachsende Jungtiere handelt, wird eine weitere Besiedlung mit zukünftig noch stärkerer Verbreitung angenommen. Im Lake Michigan besiedelt die dort schon länger eingeschleppte Quagga-Muschel den Seeboden mittlerweile bis in große Tiefen.

Bei der 2016 zum ersten Mal im Bodensee festgestellten Quagga-Muschel handelt es sich um eine sehr invasive Art, die nicht nur ihre Schwesterart Dreikantmuschel im Bodensee verdrängt, sondern das Potenzial hat, den gesamten Seeboden bis zum Grund zu verändern. Ob sie auch im Bodensee bis in die größten Tiefen überall hohe Dichten erreichen wird und welche Auswirkungen das für den See haben könnte, wird weiterhin aufmerksam untersucht.

(Autoren: John Hesselschwerdt, Petra Teiber-Sießeger)

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