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Aktuelles aus dem Projekt

Neu eingewanderte Schwebgarnele im Bodensee entdeckt

15.04.2010:

Im Herbst 2009 wurde mit Katamysis warpachowskyi eine weitere Schwebegarnelen-Art im Bodensee nachgewiesen. Die erstmals 2008 in Deutschland bei Passau aufgetretene Art wurde von Almut Hanselmann (Universität Konstanz) am Grünen Damm bei Hard entdeckt, eine Publikation des Fundes ist in Vorbereitung. Über die Lebensweise und Ökologie der neuen Art ist sehr wenig bekannt. Katamysis stammt aus dem Schwarzmeerraum und galt dort vor ihrer Expansion in Don und Donau (seit 2000) als eher selten. Die Art ist kompakter als Limnomysis gebaut und stärker pigmentiert, des Weiteren besitzt sie ein zungenförmiges Telson. Die Art ist derzeit auf den Fundort am Grünen Damm bei Hard beschränkt und war dort im März 2010 selten. Die Art besitzt aufgrund ihrer reproduktiven Strategie und ihrer schnellen Verbreitung in der Donau dennoch invasive Eigenschaften. Inwiefern sie zu Änderungen der Biozönose fähig ist, bleibt vorerst unbekannt. Weiterhin ist ungewiss, ob Katamysis im Bodensee mit der etablierten Schwebegarnele Limnomysis koexistieren oder konkurrieren wird.



Katamysis warpachoksky aus dem Bodensee.
Copyright: Almut Hanselmann


Zungenförmiges Telson von Katamysis warpachoksky
Zungenförmiges Telson von Katamysis warpachoksky.
Copyright: Almut Hanselmann

 

Der Hochrhein wird vom Bodensee her von Neozoen überrollt

13.04.2010:

Der Große Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus und die Donau-Schwebegarnele Limnomysis benedeni besiedelten den gesamten Bodensee in wenigen Jahren und breiten sich derzeit vom Bodensee kommend rasant im Hochrhein aus. Die Ausbreitungs­welle von D. villosus erreichte zwischen Juli und September 2009 die Mündung der Töss im Hochrhein, wo er bereits hohe Dichten erreicht. Die verbleibende von D. villosus nicht besiedelte Hochrhein­strecke zwischen Töss- und Aaremündung ist nur etwa 30 km lang und wurde inzwischen möglicherweise geschlossen.
Die Schwebegarnele Limnomysis benedeni erreichte zwischen Dezember 2009 und März 2010 das Tössegg; sie kommt allerdings hier nur in Einzeltieren vor.

 

Die Donauassel Jaera istri steht vor der Türe!

13.04.2010:

Im Zuge eines Makrozoobenthos-Monitorings durch HYDRA konnte Dr. Stefan Werner im März 2010 eine isolierte, individuenreiche Population von Jaera istri in der Limmat bei Wettingen (Baden) entdecken. Bislang galt der Fundort Sisseln im Hochrhein als bodensee-nächster Fundort.

 

Seit dem Jahr 2000 zwei weitere Neozoenarten im Bodensee

13.04.2010:

Zwei weitere im Bodensee neue Neozoen sind der Fischegel Caspiob­della fadejewi und die Mittel­meer-Wasserassel Proasellus coxalis (heute auch als Proasellus banyulensis bezeich­net). Beide sind wahrscheinlich erst nach dem Jahr 2000 in den Bodensee bzw. seine direkte Umgebung eingewandert. Trotz ihrer europaweit schnellen Ausbreitung haben beide Arten offensichtlich nicht das Potenzial Biozönosen zu verändern.
Die Mittelmeer-Wasserassel Proasellus coxalis scheint schon seeweit in eutrophen, warmen Flachwasser­zonen verbreitet zu sein. Selbst nach ihrem Erstfund im Bodensee 2005 (da bereits an zahlreichen Stellen des Ober- und Untersees) wurde dieser leicht verwechselbaren Art nur wenig Beachtung geschenkt. 2009 wurde sie bei Hard und in Konstanz-Stromeyers­dorf nachgewiesen. Die Assel stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist im Hoch- und Oberrhein seit 1995 nachgewiesen.
Der aus dem Schwarzmeergebiet stammende Fischegel Caspiobdella fadejewi wurde 2000 und 2009 im Hochrhein bei Hemishofen gefunden. Im Bodensee selbst fehlt ein Nachweis des parasitären Fischegels, allerdings ist aufgrund der hohen Mobilität seiner Wirte mit seinem Vorkommen im Bodensee fest zu rechnen.

 

Consumption of amphipods by littoral fish after the replacement of native Gammarus roeseli by invasive Dikerogammarus villosus in Lake Constance

07.07.2008:

Publikation von Prof. Dr. Eckmann et al (Juni 2008) als pdf-Datei zum Herunterladen.

 

"Neuankömmlinge im Bodensee"

21.05.2008:

Informationspapier der Gewässerschutzfachstellen als pdf-Datei zum Herunterladen.

 

"Neozoen im Bodensee - Gefahren und Handlungsperspektiven"

24.04.2008:

Positionspapier der Arbeitsgruppen ANEBO und AKaN als pdf-Datei.

 

Kurzfassung der Vorträge beim Bodensee-Kolloquium

24.04.2008:

Eine Kurzfassung der Vorträge beim Bodensee-Kolloquium am 16.04.2008 können Sie als pdf-Datei hier anschauen und herunterladen.

 

Crangonyx pseudogracilis bei Hard nachgewiesen

17.12.2007:

Im Rahmen der Diplomarbeit von Almut Hanselmann bei der Arbeitsgruppe Rothhaupt am Limnologischen Institut in Konstanz wurde eine neue Art im Bodensee nachgewiesen. Es handelt sich um den Amphipoden Crangonyx pseudogracilis, ein Neozoe aus Nord-Amerika, der es schon bis in den Rhein geschafft hatte. Die Fundstelle im Bodensee ist am Grünen Damm in Hard (Österreich/Vorarlberg), die gleiche, an der 2006 bereits Limnomysis benedeni zum ersten Mal nachgewiesen wurde. Mehrere Exemplare von C. pseudogracilis befanden sich in Proben vom 8.11.07 und vom 6.12.07. In gezielten Stichproben ließ er sich ebenfalls an zwei Stellen in der Dornbirner Ach nachweisen. Prof. A. Martens aus Karlsruhe war so freundlich und bestätigte die Artbestimmung anhand mehrerer fixierter Tiere.
C. Pseudogracilis ist sehr klein im Vergleich zu anderen Amphipoden, er wird max. 1,1 cm groß, hat keine Dornen am Urosom, recht lange Antennen und läuft in sehr charakteristischer Weise aufrecht, also mit dem Rücken nach oben.
Bei weiteren Probennahmen auch an anderen Stellen sollte nun darauf geachtet werden, ob und wie sich die Art im Bodensee ausbreitet.
Rückfragen bitte an Almut.Hanselmann@gmx.de oder Rene.Gergs@uni-konstanz.de


Amphipode _Crangonyx pseudogracilis_

 

ANEBO – Monitoring, Stand Dezember 2007

17.12.2007:

Herbst-Monitoring: Die Neuen fühlen sich wohl
Vom 24. bis 27.September wurde die vorerst letzte Monitoringkampagne des ANEBO-Projekts durchgeführt. Wieder wurden zusätzliche Uferbereiche beprobt, um festzustellen, ob und wie weit sich die „neuen“ Neozoen im Bodensee weiter ausbreiten konnten.

Neues von Dikerogammarus
Dikerogammarus villosus zeigte im Herbst 2007 eine vergleichbare Ausbreitung wie im Herbst 2006: Die Uferbereiche des gesamten Obersees und des größten Teil des Untersees sind – je nach Untergrund – unterschiedlich dicht besiedelt. Der Große Höckerflohkrebs scheint auch weiterhin im Gnadensee zu fehlen. Wahrscheinlich liegt dies an den für ihn ungünstigen Substratbedingungen.


An einigen Probestellen, an denen im Vorjahr nur noch Dikerogammarus nachgewiesen wurde, findet sich wieder ein größerer Anteil anderer Flohkrebsarten – vor allem Gammarus roeselii.

Corbicula fehlt noch im flachen Wasser
In ufernahen Bereichen bleibt die Körbchenmuschel Corbicula fluminea vorerst selten. In tieferen Bereichen scheinen sich die Bestände der Art gut zu halten. Hinweise darauf, ob sich Corbicula im See inzwischen weiter ausbreiten konnte, wird die Suche nach Muschelschalen an trockengefallenen Uferbereichen beim winterlichen Niederwasser liefern.

Limnomysis ist wieder aufgetaucht
Nachdem die kleine, fast durchsichtige Schwebgarnele Limnomysis benedeni im August 2006 erstmals im Bodensee entdeckt wurde, fand man sie bis Ende 2006 an zahlreichen weiteren Stellen der Bregenzer Bucht zum Teil in Massen. Im Sommer 2007 dagegen konnte trotz intensiver Suche nur noch ein einziger Fundort in Steinach (CH) ausgemacht werden. In den Untersuchungen Ende September 2007 war Limnomysis benedeni dann in nahezu allen Häfen zwischen Kreuzlingen und Fischbach zu finden. Die Garnele besiedelt strömungsberuhigte Bereiche mit algenbewachsenen Grobsubstraten in verschiedenen Wassertiefen. Möglicherweise ist sie entlang der uferparallelen Characeenstreifen in grösserer Tiefe noch weiter verbreitet.

 

© ANEBO, gefördert im Rahmen von Interreg III, Stand: 14.04.2010, Impressum