Der aus dem Schwarzmeergebiet stammende parasitisch lebende Fischegel Caspiobdella fadejewi wurde im Oktober 2010 erstmals im Bodensee nachgewiesen. Es gelang ein Einzelfund eines adulten Egels bei Öhningen-Stiegen. Obwohl Caspiobdella aus dem Hochrhein bei Hemishofen seit dem Jahre 2000 bekannt war, gelang der erste Nachweis im Seebereich erst 10 Jahre später.
Die erst im Herbst 2009 entdeckte Katamysis warpachowskyi von Almut Hanselmann (Universität Konstanz) am Grünen Damm bei Hard entdeckte Art ist auf dem Vormarsch. Die Art war im März 2010 noch auf ihren Fundort beschränkt; sie war dort selten. Im Oktober 2010 war sie jedoch bereits in der gesamten Bregenzer Bucht bis Wasserburg verbreitet. Im Harder Binnenbecken ist sie bereits häufig.
Katamysis scheint im Bodensee mit der etablierten Schwebegarnele Limnomysis zu koexistieren. Trotz der anderen, bereits massenhaft vorkommenden Schwebegarnelenart konnte sich Katamysis innerhalb eines halben Jahres zügig in der Bregenzer Bucht verbreiten. Interessant sind Funde von eiertragenden Weibchen im März 2010, da sich Limnomysis bei so geringen Wassertemperaturen nicht fortpflanzen kann (Hanselmann, 2010)
Im Herbst 2009 wurde mit Katamysis warpachowskyi eine weitere Schwebegarnelen-Art im Bodensee nachgewiesen. Die erstmals 2008 in Deutschland bei Passau aufgetretene Art wurde von Almut Hanselmann (Universität Konstanz) am Grünen Damm bei Hard entdeckt, eine Publikation des Fundes ist in Vorbereitung. Über die Lebensweise und Ökologie der neuen Art ist sehr wenig bekannt. Katamysis stammt aus dem Schwarzmeerraum und galt dort vor ihrer Expansion in Don und Donau (seit 2000) als eher selten. Die Art ist kompakter als Limnomysis gebaut und stärker pigmentiert, des Weiteren besitzt sie ein zungenförmiges Telson. Die Art ist derzeit auf den Fundort am Grünen Damm bei Hard beschränkt und war dort im März 2010 selten. Die Art besitzt aufgrund ihrer reproduktiven Strategie und ihrer schnellen Verbreitung in der Donau dennoch invasive Eigenschaften. Inwiefern sie zu Änderungen der Biozönose fähig ist, bleibt vorerst unbekannt. Weiterhin ist ungewiss, ob Katamysis im Bodensee mit der etablierten Schwebegarnele Limnomysis koexistieren oder konkurrieren wird.

Katamysis warpachoksky aus dem Bodensee.
Copyright: Almut Hanselmann

Der Große Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus und die Donau-Schwebegarnele Limnomysis benedeni besiedelten den gesamten Bodensee in wenigen Jahren und breiten sich derzeit vom Bodensee kommend rasant im Hochrhein aus. Die Ausbreitungswelle von D. villosus erreichte zwischen Juli und September 2009 die Mündung der Töss im Hochrhein, wo er bereits hohe Dichten erreicht. Die verbleibende von D. villosus nicht besiedelte Hochrheinstrecke zwischen Töss- und Aaremündung ist nur etwa 30 km lang und wurde inzwischen möglicherweise geschlossen.
Die Schwebegarnele Limnomysis benedeni erreichte zwischen Dezember 2009 und März 2010 das Tössegg; sie kommt allerdings hier nur in Einzeltieren vor.
Im Zuge eines Makrozoobenthos-Monitorings durch HYDRA konnte Dr. Stefan Werner im März 2010 eine isolierte, individuenreiche Population von Jaera istri in der Limmat bei Wettingen (Baden) entdecken. Bislang galt der Fundort Sisseln im Hochrhein als bodensee-nächster Fundort.
Zwei weitere im Bodensee neue Neozoen sind der Fischegel Caspiobdella fadejewi und die Mittelmeer-Wasserassel Proasellus coxalis (heute auch als Proasellus banyulensis bezeichnet). Beide sind wahrscheinlich erst nach dem Jahr 2000 in den Bodensee bzw. seine direkte Umgebung eingewandert. Trotz ihrer europaweit schnellen Ausbreitung haben beide Arten offensichtlich nicht das Potenzial Biozönosen zu verändern.
Die Mittelmeer-Wasserassel Proasellus coxalis scheint schon seeweit in eutrophen, warmen Flachwasserzonen verbreitet zu sein. Selbst nach ihrem Erstfund im Bodensee 2005 (da bereits an zahlreichen Stellen des Ober- und Untersees) wurde dieser leicht verwechselbaren Art nur wenig Beachtung geschenkt. 2009 wurde sie bei Hard und in Konstanz-Stromeyersdorf nachgewiesen. Die Assel stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist im Hoch- und Oberrhein seit 1995 nachgewiesen.
Der aus dem Schwarzmeergebiet stammende Fischegel Caspiobdella fadejewi wurde 2000 und 2009 im Hochrhein bei Hemishofen gefunden. Im Bodensee selbst fehlt ein Nachweis des parasitären Fischegels, allerdings ist aufgrund der hohen Mobilität seiner Wirte mit seinem Vorkommen im Bodensee fest zu rechnen.
Publikation von Prof. Dr. Eckmann et al (Juni 2008) als pdf-Datei zum Herunterladen.
Informationspapier der Gewässerschutzfachstellen als pdf-Datei zum Herunterladen.
Positionspapier der Arbeitsgruppen ANEBO und AKaN als pdf-Datei.
Eine Kurzfassung der Vorträge beim Bodensee-Kolloquium am 16.04.2008 können Sie als pdf-Datei hier anschauen und herunterladen.